Schuljahr 1956/57

 zusammengestellt von Albert Velser, Vussem

Die Kinderzahl nimmt nicht weiter ab. Mit 20 scheint der Tiefpunkt erreicht zu sein. Durch Wohnungswechsel kamen weitere 3 Kinder in die hiesige Schule. Zwei Neuaufnahmen brachten die Gesamtzahl wieder auf 25. Die Aufnahme gab wie die Entlassung Anlaß zu einer kleinen Feier..
Der Schulausflug ging in diesem Jahre nach Düsseldorf, zum Flughafen Lohausen und nach Wuppertal, um dort die Schwebebahn und den Zoo zu sehen. Bei dem anhaltend schlechten Sommerwetter hatten wir am 31.07. noch einen guten Tag getroffen. Zunächst ging es über Zülpich, quer durch die Kölner Bucht nach Köln. Hier herrschte in den Morgenstunden reger Verkehr. Besondere Beachtung fand die moderne Verkehrsregelung mit Ampeln und Hinweisschildern = und Zeichen. Über die Mühlheimer Hängebrücke ging es auf die andere Rheinseite. Hier erregte Leverkusen bes. Aufmerksamkeit nicht minder das Benrather Schloß. Alle Erwartungen aber übertraf das Leben und das Bild des Flughafens. Vom größten bis zum kleinsten Flugzeug standen sie dort. Bald starteten diese, bald landeten jene Maschinen verschiedener Luftfahrtgesellschaften. Mit dem „Expreß“ sahen wir uns alles aus der Nähe an. Auch wurde zum allgemeinen Verständnis ein Film über die Entwicklung des Flugwesens gezeigt. Gerne wären wir noch dort geblieben; die Zeit war aber so bemessen, daß es nach Wuppertal ging. Leider konnte man bald merken, daß der Flughafen alle Interessen für die Schwebebahn und den landschaftlichen so schön gelegenen Zoo genommen hatte. Das wäre nicht nötig gewesen wenn es mir bei einem Ausflugsziel geblieben wäre. So aber war es zu viel. Quer durch das Bergische Land ging es wieder nach Köln und von dort nach Hause.
Im Sommer diesen Jahres trat zum erstenmal unter den Wildkaninchen die Unyxomathose auf. Es handelt sich dabei um eine ansteckende Schleimhautentzündung, an der die Kaninchen in grauenhafter Weise eingehen. Der Abschuß von über 500 Tieren in einem Jahr dürfte damit für längere Zeit nicht mehr erreicht werden..
Die Gestaltung des St. Martinsfestes, Freudentag der Kinder, bereitete in diesem Jahre einige Schwierigkeiten. Zunächst fehlte das Geld. In einer Haussammlung mußte es zusammengebracht werden. Alsdann war keine Blaskapelle zu bekommen. Guter Wille und Einsatzfreudigkeit lösten aber auch das Problem. Beinahe hätte das Wetter zuletzt noch durch alle mühevoll gelungenen Vorbereitungen einen Strich gemacht. Trotz leichten Regens konnte der Martinszug
gehen, das Feuer abgebrannt, und anschließend eine kleine Feier in der Schule gehalten werden.
Am Jahrestag des hl. Nikolaus kamen die beiden Pächter des hiesigen Jagdbezirkes persönlich in die Schule. Im Auftrage des Tagesheiligen übereichten sie jedem Kinde eine gefüllte Tüte. In Nikolaus – und einigen Jägerliedern brachten wir unseren Dank zum Ausdruck.
Der zweite Elternabend im Jugendheim, am 23.Dezember war wieder ein voller Erfolg. Die 14 Kinder der Oberklasse waren Hauptgestalter. Waggerls in = und auswendige Gedichten um das Christkind, von dem Kirchenchor mit passenden Weihnachtsliedern umrahmt, gaben die Einleitung. Schließlich öffnete sich die selbstgebaute Bühne für den lustigen Zweiakter: „ Der Mond mit roter Nase“. Dieses weihnachtliche Theaterspiel, von den Kindern gut aufgeführt, fand reichen Beifall.
Am 23.3.1957 wurden zwei Jungen und zwei Mädchen aus der Schule entlassen. Die Eltern der Entlaßschüler wohnten der schönen Feier bei. Als besondere Überraschung wurden neben den bekannten Liedern und Gedichten einige neue Lieder und selbst verfaßte Gedichte, die viele auf die Entlaßschüler bezogen, vorgetragen. Nach einer Ansprache und der Zeugnisverteilung traten die Kinder, mit den besten Wünschen aller, den Weg ins Leben an.

Das Schuljagr schloß am 31.03.

Bemerkung:

Bei der vorliegenden Lorbacher Schulchronik handelt es sich um eine Abschrift, die mit der Schreibmaschine geschrieben wurde. Ein paar wenige kopierte Blätter der Originalchronik sind beigefügt. Der Text wurde zum besseren Verständnis nur in wenigen Fällen vom Bearbeiter geändert. Der in Klammern gefasste Text wurde von dem Bearbeiter zugefügt.
Im Stadtarchiv Mechernich, das für die Archivierung der Schulchroniken zuständig ist, befindet sich weder das Original noch eine Abschrift der Lorbacher Schulchronik. Sollte die Originalchronik noch irgendwo vorhanden sein, wäre die Stadtarchivarin dankbar, wenn diese ans Archiv abgegeben würde, da dort bereits ein großer Teil der Chroniken der ehemaligen dörflichen Schulen des Stadtgebietes archiviert sind. Im Archiv ist gewährleistet, dass dieses Schriftgut erhalten bleibt und dem interessierten Bürger zugänglich ist.

 

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