Schuljahr 1955 / 56

 zusammengestellt von Albert Velser, Vussem

Im Rahmen einer kleinen Feie mit Gedichten, Geschichten, Erzählungen und Liedern wurden 4 Kinder des Ortes in das 1. Schuljahr aufgenommen. Die Gesamtzahl der Schüler beläuft sich auf 22, 13 Mädchen und 9 Jungen.
Am 25.5. fand die alljährliche Elternversammlung statt. Fast alle waren anwesend. Die Elternpflegschaft des Vorjahres wurde für das Schuljahr 1955/56 wiedergewählt. Außer dieser Wahl wurden noch weitere neun Punkte der Tagesordnung besprochen. Ausführlicher Bericht ergibt das Protokoll.
7.7. Die Aufführung des Schauspiels „Wilhelm Tell“ von Fr. v. Schiller auf der Freilichtbühne des Loreleyfelsen ließ uns, vereint mit der Schule in Kallmuth einen Ausflug dorthin machen. Wenn die Aufführung nicht den gemachten Vorstellungen entsprach, bleibt allein schon die Fahrt in diese herrliche Gegend des Mittelrhein in steter Erinnerung. Die Festung Ehrenbreitstein und der nicht weit davon entfernte Wallfahrtsort „Roter Hahn“ wurden auf der Rückfahrt aufgesucht und besichtigt.
Mit den Kindern und Erwachsenen wurde in diesem Jahre vor dem Kapellenfest abends im Klassenraum der Schule die Speyerer Domfestmesse eingeübt. Der gemeinsame Gesang trug zur wesentlichen Verschönerung des Festgottesdienstes in unserem kl. Gotteshaus bei.
Am 6. September fand wiederum in Vussem das diesjährige Sportfest statt. Das recht launige Wetter hinderte an einer reibungslosen Durchführung, so daß einige Läufe nachgeholt werden mußten. Das Ergebnis ist bei 14 Teilnehmern mit 7 Sieger-Urkunden zufriedenstellend.
Wie eine große Familie stehen die Bewohner des Ortes an den Kirmestagen 25.Sept. zusammen. Das kam ganz recht bei der Heldenehrung am Denkmal zum Ausdruck. Flötenvorträge, Gedichte, Ansprache und mehrstimmiger Gesang dürfte der kleinen Feier eine zufriedenstellende Note gegeben haben.
Herbst 1955 — Seit mehreren Monaten arbeitet das Kulturamt Euskirchen in den Gemarkungen um Lorbach an einer Flurbereinigung, teils um = teils Zusammenlegung. Wie sich das Ergebnis im Einzelnen auswirkt, wird die Zukunft zeigen. Zur Zeit scheinen weder die begüterten noch minder begüterten Bauern – in Folge der stark wechselnden Bodenverhältnisse – mit den Ergebnissen einverstanden zu sein. Das Kulturamt dürfte es oft in seinen Entscheidungen nicht leicht haben.
So verregnet der Sommer des Jahres 1954 war, so trocken und sonnenreich war der diesjährige Sommer. Noch bis spät in den Herbst hielt das trockene Wetter an. Das Martinsfest mit Fackelzug und Martinsfeuer erlebte – vielleicht der günstigen Wetterverhältnissen wegen - diesmal eine auffallend starke Beteiligung. Nach einer kleinen Feier im Schulraum, bekam wieder jedes Kind einen Wecken.
Das trübe und nebelige Wetter am Volkstrauertag spiegelte so recht die tiefinnere menschliche Seite dieses Tages wider. Am Spätnachmittag fanden sich viele Bewohner am Ehrenmal ein, um der von der Schule gestaltete Feier beizuwohnen.
St. Nikolaus kam in diesem Jahre nachts, trotzdem brachte er allen Schulkindern und sogar denen die noch nicht die Schule besuchen ein volle Tüte.
Erstmals beteiligte sich unsere Schule in diesem Jahre, unmittelbar vor den Ferien, an der großen Weihnachtssammelaktion des Roten Kreuzes „Helft uns helfen“ ! Zwei Pakete mit Nahrungsmittel aller Art, im Werte von 25 DM konnten so bei der Amtsverwaltung in Mechernich zur Weiterleitung abgegeben werden.
Am 14.II. spielten wir vor den Eltern und Kindern des Dorfes erstmalig mit den selbstgebastelten Kasperlepuppen. Das Märchen „Hänsel und Gretel“ in Stegreifform gefiel allgemein besser als das Kasperlelustspiel „Die goldene Kette“. Lachen und Applaus bewiesen das Gefallen.
Für die Schulentlassungsfeier war auch in diesem Jahre Klassenraum festlich geschmückt worden. Lieder = und Flötenvorträge, Gedichte und Ansprachen füllten die letzten Stunden der beiden zur Entlassung gelangenden Mädchen aus.

Das Schuljahr schloß am 28.03.1956

Bemerkung:

Bei der vorliegenden Lorbacher Schulchronik handelt es sich um eine Abschrift, die mit der Schreibmaschine geschrieben wurde. Ein paar wenige kopierte Blätter der Originalchronik sind beigefügt. Der Text wurde zum besseren Verständnis nur in wenigen Fällen vom Bearbeiter geändert. Der in Klammern gefasste Text wurde von dem Bearbeiter zugefügt.
Im Stadtarchiv Mechernich, das für die Archivierung der Schulchroniken zuständig ist, befindet sich weder das Original noch eine Abschrift der Lorbacher Schulchronik. Sollte die Originalchronik noch irgendwo vorhanden sein, wäre die Stadtarchivarin dankbar, wenn diese ans Archiv abgegeben würde, da dort bereits ein großer Teil der Chroniken der ehemaligen dörflichen Schulen des Stadtgebietes archiviert sind. Im Archiv ist gewährleistet, dass dieses Schriftgut erhalten bleibt und dem interessierten Bürger zugänglich ist."

 

Copyright © 2018. All Rights Reserved.