Schuljahr 1940 / 41

zusammengestellt von Albert Velser, Vussem

„Schon am 28.März begann das neue Schuljahr. Die Schülerzahl ist 47, darunter 4 Neulinge. Ein gutes Ergebnis brachte die Metallspende. Als Geburtstagsgeschenk des Führer wurden von der Jugend gesammelt 195 Pfund an Blei, Kupfer und Mes-sing. Seit Mitte März liegt in Lorbach eine Flakabteilung im Quartier. Es sind me¬istens Süd¬deutsche, aktive Truppen. Am 9. Mai rückten diese Soldaten ab.
Im Monat Juli begann die Schule mit dem Sammeln von Heilkräutern. Es wurden Brennesselblätter und besonders Blätter von Waldhimbeeren gesammelt. Jeden Dienstag findet das Suchen des Kartoffelkäfers durch die Schulkinder statt. Sonntags mußte die F.W. (Feuerwehr ?) Kartoffelkäfer suchen dafür fiel die Übung aus. Seit Anfang Juni finden in Lorbach regelmäßig Nachtwachen statt, um die Bevölke¬rung bei Fliegeralarm rechtzeitig zu warnen. Jede Nacht machen 2 Wächter die Runde von Mitternacht bis Morgens um 4 Uhr.
Mitte August hielt der Kriegsfreiwillige Otto Theisen in der Schule einen interessanten Vortrag über seine Erlebnisse beim Vormarsch durch Holland, Belgien und Frank-reich, besonders beim Sturmangriff auf Dünkirchen. Die Heilkräutersammlung schloß mit einem guten Ergebnis ab. Es wurden über 2 Zentner an Himbeerblätter, Schafgarbe und Hagebutten gesammelt.
Im Oktober fand eine Sammlung von gebrauchten Flaschen statt. Es wurden 3 – 400 Flaschen zur Ablieferung bereitgestellt.
Im Mai – Juni wurden einige Verbesserungen in der Lehrerwohnung durchgeführt. Auf dem Speicher wurde ein Badezimmer mit W.C. eingebaut, auf dem Hofe wurden eine Waschküche und ein großes Spritzenhaus für die Feuerwehr fertiggestellt. Der Erbauer war der Mau¬rermeister Dederichs aus Breitenbenden.
Am 1. November wurde auf Anordnung des Kreisarztes die Schule geschlossen, weil von 45 Schulkindern 15 an Masern erkrankt waren, darunter 2 Kinder des Lehrers. Der Unterricht wurde wieder aufgenommen am 22. November.
In Lorbach haben einige Einwohner ein recht hohes Lebensalter erreicht. Der Senior ist der alte Kapellenküster Stephan Stolz mit 86 Jahren. Seine Schwester, die Witwe Schnichels zählt 83 Jahre. Fast im gleichen Alter steht die Witwe Schumacher A. Der Invalide H. J. Schumacher starb im 82. Lebenjahr, dessen Bruder Michael Schumacher erreichte ein Alter von 91 Jahren. Bis in seinen letzten Lebenstagen war er unermüdlich tätig in Hof und Feld. (Die Schumachers waren 3 Brüder und stammten aus Benenberg. Zwei von ihnen heirateten in Lorbacher Familien ein).
Von den Lorbacher Kriegsteilnehmern wurden zum Unteroffizier befördert der Be-rufssoldat Anton Hufschmidt und Heinr. Haas. Durch einen Brustschuß verwundet wurde A. Hufschmidt, er wurde aber nach kurzer Lazarettbehandlung wiederherge-stellt. Ferner wurde Matthias Hufschmidt zum Utf. befördert.
Zu Gefreiten wurden befördert – Dahmen Benedikt. und Dahmen Jak. ferner die Ge-brüder Joh. Und Peter Görgen.
Am 4. Februar 41 wurde auf Anordnung des Kreisarztes die Schule geschlossen, weil von 45 Schulkindern 18 an Grippe erkrankt waren. Der Unterricht begann wieder am 12. Februar.
Am 2. März veranstaltete das Jungvolk in Lorbach einen Elternabend. Der Saal war mit Tannengrün u. dem Bilde Hitlers festlich ge¬schmückt. Der Fähnleinführer Könn hielt eine kurze Ansprache. Dann folgten Lieder, Gedichte und Vorträge. Ferner ka-men mehrere Theaterstücke zur Aufführung. Eine Sammlung für das W.H.W brachte einen schönen Ertrag. Mit einem Gruß an den Führer und den Na¬tionalliedern endete dieser wohlgelungene Elternabend. Für die Kasse des Jungvolkes erbrachte er einen Reinertrag von 20 M.
Im März wurden die Arbeiten an der Waschküche, dem Badezimmer und dem Sprit-zenhaus endlich zum Abschluß gebracht. Die Gesamt¬kosten betrugen 4100 M, dazu gab die Regierung einen Zuschuß von 2600 M.
Bei den Jugendwettkämpfen, die in diesem Jahre in Vussem ausgetragen wurden, erhielten 5 Kinder die Siegernadel, 3 Knaben und 2 Mädchen. In der Nacht zum 23. Juni fiel bei einem Fliegerangriff eine Bombe in der Nähe von der Wirtschaft Breuer im Felde ein. Sie hatte eine Höhe von 65 cm und im gefüllten Zustand ein Gewicht von ca. 30 pfund. Sie richtete keinen Schaden an. Im Monat Juli fielen einige hundert Brandplättchen zur Erde, die ebenfalls ohne Wirkung blieben.
Im Jahr 1941 war eine große Sterblichkeit in Lorbach. Es starben Ww. Schnichels 83 Jahre, Ww. Schumacher 83 Jahre, Frau Stolz 73 Jahre, der alte Küster Stephan Stolz 86 Jahre. Er war der älteste Mann im Dorfe. Ferner starben noch 2 Kinder im Alter von 1 Monat u. 1 Tage. Der Küster Stolz hatte ein sehr schönes Begräbnis. 20 Jahre lang hatte er das Amt eines Küsters unentgeldlich ausgeführt und für die Dorfkapelle und ihre würdige Ausstattung keine Mühen und Wege gescheut. St. Stolz war von Beruf Schuster und war noch mehrere Jahrzehnte von Haus zu Haus gewandert um zu arbeiten.

Bemerkung:

Bei der vorliegenden Lorbacher Schulchronik handelt es sich um eine Abschrift, die mit der Schreibmaschine geschrieben wurde. Ein paar wenige kopierte Blätter der Originalchronik sind beigefügt. Der Text wurde zum besseren Verständnis nur in wenigen Fällen vom Bearbeiter geändert. Der in Klammern gefasste Text wurde von dem Bearbeiter zugefügt.

 

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