Schuljahr 1941/ 42

zusammengestellt von Albert Velser, Vussem

 

„Am 18. August 41 begann das neue Schuljahr. Die Schülerzahl ist 47 – 27 Knaben und 20 Mädchen.
Der 1. Gefallene in diesem Kriege aus Lorbach war der Oberkanonier Matthias Reitz. Er wurde am 23. August durch Granatsplitter an Kopf Hals u. Oberarm schwer verletzt.. Der Chefarzt des Lazarettes hoffte, ihn am Leben erhalten zu können. Aber in den Mittagsstunden des 26.8. trat der Tod ein. M. Reitz wurde auf dem Friedhof Welisek neben seinen Kameraden bestattet. Er war 30 Jahre alt und kinderlos verheiratet. Er ist der 2. Soldat aus der Pfarrei Callmuth, der den Heldentod starb.
Der 2. Gefallene aus Lorbach ist der im 8. Jahre aktiv diente. Während des passiven Widerstandes wohnte sein Vater als ausgewiesener Eisenbahner mehrere Jahre in Lorbach, später zog er mit seiner Familie wieder nach Mechernich zurück.
Die Heilkräutersammlung hatte wieder einen guten Erfolg. Über  2 ½ Zentner an Hagebutten, Schafsgarbe u. Brombeerblätter wurden bei der Sammelstelle abgegeben.
Beim Schulsparen steigt andauernd die Höhe der Einlagen. Am 3. Dez. brachte die Schulsparkasse den Betrag von 426 M. Die Spinnstoffsammlung erbrachte im kleinen Ort Lorbach über 4 Zentner Material.
Bis Ende 41 wurden 20 Lorbacher zum Kriegsdienst eingezogen. Matthias Reitz starb den Heldentod. Der Soldat Jos. Kloster wurde aus dem Heeresdienst entlassen. Der Berufssoldat Feldwebel Ant. Hufschmidt wurde bei den Kämpfen in Rußland zum 2x schwer verwundet durch einen Armschuß, der den linken Armknochen zerplitterte und lähmte. Er ist  seit 4 Monaten in Lazarettbehandlung.
Der Soldat Peter Haas wurde mit einer Verwundung und erfrorenen Füßen in ein Lazarett in Stettin eingeliefert, er wurde am 9. Januar an der russischen Front verwundet, durch einen Oberschenkelschuß.
Im Januar 42 setzte ein große Kältewelle ein, das Thermometer fiel unter 20 °. Gewaltige Schneemassen türmten sich auf, alle Wege waren unpassierbar. Viele Wochen mußte täglich Schnee geschaufelt werden, damit Post- u. Zeitungsbote nicht stecken blieben. Für die Kinder aus Urholz war es unmöglich, den Schulweg durch meterhohe Schneemassen zurückzulegen. Bei vielen Haushaltungen im Dorfe war die Wasserleitung zugefroren. Der Kirchweg nach Kallmuth war mit hohen Schneeverwehungen bedeckt, die Kirchengänger suchten sich mühselig einen Pfad durch die verschneiten Felder. Das Milchauto konnte wochenlang nicht nach Lorbach kommen. Der Arzt von Mechernich kam zu Fuß um die Schwerkranken zu besuchen. Die Wildkaninchen kamen in Scharen in die Hausgärten, um die Rinde der Obstbäume und Zweige abzunagen. Die Bäume trugen schwere Schäden davon. Mehrmals wurde in den Zeitungen berichtet, daß in Deutschland ein solcher strenger Winter seit 150 Jahren nicht mehr beobachtet worden ist.
Im März wurden 26 neue Bänke, eine Schultafel und ein Schrank von der Fa. Pauls in Mechernich geliefert. Die Kosten beliefen sich auf 1050 M. Die Versteigerung der alten Schulbänke u. Tafel erbrachte rund 60 M.
Am 29. März fand auf dem Pflugberg ein Wettbewerb von Modellflugzeugen statt. 5 größere Orte beteiligten sich daran, Münstereifel, Mechernich, Liblar, Lechenich und Euskirchen. Infolge des starken Windes zerbrachen viele Modelle beim Fluge. Es wurden schöne Preise verteilt z.B. eine Hobelbank, eine Funkeinrichtung als Gruppenpreis und eine Anzahl von Bilder und Bücher als Einzelpreise.
Bei den Jugendwettkämpfen, die in diesem Jahr in Bergheim ausgetragen wurden, errangen 5 Lorbacher Schulkinder die Siegernadel, 3 Knaben u. 2 Mädchen.
Die Soldaten Peter Haas und Peter Stoltz wurden von der Gewerkschaft Mechernicher-Werke vom Heeresdienst reklamiert und nahmen ihre Arbeit auf dem Bergwerk wieder auf.

Bemerkung:

Bei der vorliegenden Lorbacher Schulchronik handelt es sich um eine Abschrift, die mit der Schreibmaschine geschrieben wurde. Ein paar wenige kopierte Blätter der Originalchronik sind beigefügt. Der Text wurde zum besseren Verständnis nur in wenigen Fällen vom Bearbeiter geändert. Der in Klammern gefasste Text wurde von dem Bearbeiter zugefügt.

 

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