Schuljahr 1943/ 44

zusammengestellt von Albert Velser, Vussem

Das neue Schuljahr begann am 30.07. die Schülerzahl ist 46, 28 Knaben und 18 Mädchen – darunter 8 Neulinge.
Eine erfreuliche Entwicklung hat die Schulsparkasse genommen. Im August wurden 506,-M bei der Leerung der Kasse gezählt; im März wurde ein Rekordergebnis mit 970,-M festgestellt. Für die Kriegsgräberfürsorge sammelte die Klasse 10, M.
Am 1- Sept. zu Anfang des 5. Kriegsjahres, waren 33 Lorbacher zum Heeresdienst eingezogen und 1 zum Arbeitsdienst. Von den Soldaten waren 5 zum Unteroffizier befördert worden und 3 mit dem E:K:II. ausgezeichnet.
Am 1. November 43 waren es 70 Jahre, daß in Lorbach Unterricht erteilt wurde. In diesen Jahren besuchten 418 Kinder die hiesige Schule. Von allen Schülern haben bis heute 2 die Reifeprüfung an einem Gymnasium abgelegt, nämlich Edmund Schumacher, heute Pfarrer in Höngen, b. Aachen und Otto Theißen, Fahnenjunker Uffz, in einem Offizierskursus in Pommern.
Die Schulspartätigkeit hat sich noch gesteigert, Ende März 44 wurden 1600, M. bei der Leerung der Kasse gezählt, ein Sparergebnis von 7 Monaten.
Im Anfang des Jahres 44 erkrankten mehrere Kinder an Diphtherie und kamen in das Krankenhaus-Mechernich. Alle Erkrankungen verliefen gutartig, nur der 15 jährige Lehrling Jos. Schnichels starb an der tückischen Krankheit.
Die Sammlung von Altmaterial ist noch von gutem Erfolg begleitet. Im 1. Jahresdrittel 44 wurden gesammelt 46 kg Knochen, 58 kg Lumpen, 4 kg Altpapier u. 27 kg Schrott, zusammen 125 kg mit 433 Punkten, auf jeden Schüler entfielen 9 Punkte.
Im Jahr 43 erhielt die Schule Lorbach für die Sammlung von Heilkräutern den Betrag von 45.-M. Für jedes Schulkind wurde 116 (?) auf sein Konto eingezahlt. Hauptsächlich waren Schafgarbe, Hagebutten und Brombeerenblätter gesammelt worden.
Am 29.03.44 wurde der Obergefreite Michael Dahmen bei den schweren Abwehrkämpfen um Kowel in getreuer Pflichterfüllung für Führer, Volk u. Vaterland schwer verwundet durch eine Fliegerbombe. 2 Tage später erlag er seinen Verletzungen. Am gleichen Tage wurde er in einem Kameradengrab zur letzten Ruhe beigesetzt. Sein Kompanieführer rühmte den Gefallenen als prächtigen Menschen u. vortrefflichen Kameraden, als einen hervorragenden Soldaten und zuverlässigen Pionier. Er hinterläßt seine Gattin und 2 Kinder. Von Beruf war er Kaufmann und in der Landwirtschaft tätig. Sein Bruder Josef Dahmen fiel am 8. Sept. 42 bei den Kämpfen im Kaukasus und liegt am Ferek begraben.
Der Panzergrenadier Anton Urbanus fiel am 1.6.44 beim Angriff auf die Höhe 116 nordwestlich von Jassy in Rumänien. Er wurde durch Granatsplitter tödlich getroffen und an derselben Stelle beerdigt. Sein Kompanieführer schrieb der trauernden Mutter: Die Kompanie verliert in ihm einen tapferen Soldaten und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren und in ihm ein leuchtendes Vorbild sehen. In der Gewißheit, daß Ihr Sohn sein Leben für das Vaterland hingegeben hat, möge Ihnen in dem schweren Leid, das Sie betroffen hat, Kraft geben und Ihnen ein Trost sein. Der Gefallene war 19 Jahre alt, von Beruf Schlosser.

 

Bemerkung:

Bei der vorliegenden Lorbacher Schulchronik handelt es sich um eine Abschrift, die mit der Schreibmaschine geschrieben wurde. Ein paar wenige kopierte Blätter der Originalchronik sind beigefügt. Der Text wurde zum besseren Verständnis nur in wenigen Fällen vom Bearbeiter geändert. Der in Klammern gefasste Text wurde von dem Bearbeiter zugefügt.

 

Copyright © 2018. All Rights Reserved.